„Nicht selten erinnern mich Kandls Aufnahmen an die Bilder einer Theateraufführung. Sie zeigen wie bei der im Drama bestehenden Einheit von Ort, Zeit und Handlung – ich spreche hier nicht vom wechselnden kargen und austauschbaren Mobiliar – die unterschiedlichen Konstellationen von Personen an. In ihrem Zueinander wird durch Mimik und Körpersprache manchmal Kommunikationsverweigerung deutlich. Die sich Platz schaffende Selbstdarstellung zeigt sich im Monologisieren, und der Alkohol steigert das theatralische Rollenspiel.

Die Kleidung ist immer etwas Intimes, die zweite Haut des Menschen, Ausdruck eines sozialen aber auch persönlichen Selbst- verständnisses, "Kleidung", so bemerkt Leo Kandl, "trägt eine doppelte Gerichtetheit in sich, die des nach außen orientierten Öffentlichen und die des Privaten."
Kandl photographiert Objekte, die er beim Trödler findet oder die man ihm zu- trägt.

Gegenstand von Kandls Arbeit ist das Portrait im städtischen Umfeld und seine Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext. Zu Leo Kandls Arbeiten zählen Werkzyklen wie "free portraits", "straßenportraits", weinhaus wien 8" u.v.a. Die Bildserien sind meist über einen längeren Zeitraum angelegt, der sich oft über Jahre erstreckt.
Der kommunikative Aspekt und der gegenseitige (Aus)tausch ist ein zentraler Aspekt beim Zustandekommen eines Bildes.

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