von Dr. Margit Zuckriegl, Kunsthistorikerin, Salzburg

Den Fotografen Leo Kandl (geb. 1944 in Mistelbach, lebt in Wien) mit einer Auswahl aus seinem umfangreichen fotografischen Werk zu präsentieren ist das Anliegen der Ausstellung „Städte, Passanten“. Sie ist dem Aspekt des Reisens, des Kennenlernens von unbekannten Personen gewidmet.

Zur künstlerischen Arbeit von Leo Kandl von Gert Walden
98 Farbnegativfilme hat Leo Kandl in New York exponiert - wie man früher einmal gesagt hat. Exponiert, dem Lichtkürzel der Verschlusszeit ausgesetzt, haben sich in den Straßen von Manhattan die Modelle Kandls, der seine Freiwilligen über Zeitungsinserate gesucht und dann mindestens 3.528-mal den Auslöser gedrückt hat.

ANMERKUNGEN ZUR ARBEIT EINES BILDCHRONISTEN von Edith Almhofer

Es ist schon eine große Verführung da, Wirklichkeit vermeintlich zu sehen mit der Kamera... Das ist das Spannende an der Fotografie. Einerseits dieser totale Anspruch auf Authentizität und andererseits diese totale Manipulierbarkeit und Ausschnitthaftigkeit - in Raum und Zeit.
Leo Kandl, 1989

"Aus dem Fundus" nennt Leo Kandl seine Arbeiten der letzten Jahre, die sich mit dem Musealen beschäftigen. Eine Serie von Fotografien, "Versatzstücke", setzt sich dabei mit dem Kriegsarchiv, eine andere, "Festtafel", mit einer Vitrine mit Prunkgefäßen im Kunsthistorischen Museum - beide in Wien - auseinander.

" . . . So meinte man, jähe Entschlossenheit dem blauen Samt anzusehen, eine Stimmung der Zugänglichkeit im weißen Taft zu erkennen, und glaubte, etwas wie letzte, vornehme Reserviertheit in der Art, etwa den Arm aus- zustrecken, habe, um recht sichtbar zu werden, den strahlenden Glanz des Lächelns, von dem die ganz großen Opfer begleitet sind, in der Gestalt von schwarzem Crepe de Chine angelegt. Gleichzeitig aber fügte diesen so lebendig wirkenden Kleidern das Raffinement der ,Garnituren' ohne praktischen Nützlichkeitswert und ohne sichtbaren Grund überhaupt etwas Selbstloses, Nachdenkliches und Geheimes hinzu ...

von Peter Weiermeier
Zumeist begegnen wir Kleidungsstücken als Motiven der Photographie im Kontext der Modephotographie. Diese besitzt eine ihr eigene Ästhetik, die wir bei der Betrachtung der Bilder Leo Kandls im Kopf behalten sollten; nicht weil es seine Intention wäre, mit alten Kleidungsstücken Modephotographien zu realisieren, eher einer Gegenposition halber.

Zu Beginn des Ausstellungsjahres 1999 präsentiert die Fotogalerie Wien in ihrer Ausstellungsserie “Werkschau - österreichische KünstlerInnen, die die zeitgenössische Fotokunst nachhaltig beeinflußten” mit Leo Kandl einen bestechenden Agenten des Gewöhnlichen, einen Meister des Augenblicks, der von der Re-portagefotografie ausgehend zum Verfechter einer Kunst avancierte, die sich der Wirklichkeit mit den Mitteln einer frontalen, uninszenierten Fotografie anzunähern sucht.

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